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Steuern / Gewerbesteuer 
Freitag, 24.09.2021

Ist ein DJ künstlerisch (freiberuflich) oder gewerblich tätig?

Im Streitjahr 2016 spielte der Kläger als Discjockey (DJ) Musik bei Hochzeiten, Geburtstagsfeiern sowie Firmenveranstaltungen und trat gelegentlich in Clubs auf. Er erzielte einen durch Einnahmenüberschussrechnung ermittelten Gewinn von rund 45.150 Euro. Das beklagte Finanzamt qualifizierte die Tätigkeit als gewerblich und erließ einen Gewerbesteuermessbescheid gegen den Kläger. Dieser vertrat die Auffassung, er sei künstlerisch tätig.

Das Finanzgericht Düsseldorf gab ihm Recht. Das Finanzamt habe die Tätigkeit des Klägers zu Unrecht als gewerblich qualifiziert. Die Tätigkeit des Klägers sei unter Würdigung der Gesamtumstände des Streitfalls als künstlerische Tätigkeit zu beurteilen. Sie erschöpfe sich nicht im Abspielen von Tonträgern und damit Hörbarmachen von Liedern anderer Interpreten. Vielmehr verwende er Plattenteller, Mischpult, CD-Player und Computer als „Instrumente“, um durch das Mischen und Bearbeiten von Musikstücken sowie Hinzufügen von Tönen und Geräuschen neue Musik darzubieten. Ein moderner DJ – wie der Kläger – nutze Songs, Samples, z. T. selbst hergestellte Beats und Effekte, um sie zu kombinieren und so ein neues Klangerlebnis zu erzeugen. Zwar bringe er überwiegend Musikstücke anderer Urheber zu Gehör, verleihe ihnen jedoch durch Vermischung sowie Bearbeitung einen neuen Charakter. Damit führe er sie in dem ihm eigenen Stil auf. Er vollbringe eine eigenschöpferische Leistung.

Nach Auffassung des Gerichts handelt es sich bei der Planung und Besprechung der Veranstaltung mit dem Auftraggeber und der Anlieferung sowie dem Auf- und Abbau der Technik um bloße Vor- und Nachbereitungshandlungen einer insgesamt künstlerischen Tätigkeit. Der Kläger werde nicht dafür bezahlt, dass er eine Veranstaltung plane oder seine technischen Geräte zur Verfügung stelle. Mit der musikalischen Unterhaltung des Publikums für einen Abend schulde er einen einheitlichen Leistungserfolg, der einheitlich zu betrachten sei. Auch eine Vertretung im Fall vorübergehender Verhinderung stehe der Annahme einer künstlerischen Tätigkeit nicht entgegen (Az. 11 K 2430/18).

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